
Die Geschichte, wie brennendes Magma dieses Licht erzeugen kann
Du hebst einen Stein auf. Er ist porös. Wie ein Schwamm. Und dann bemerkst du: Er ist viel leichter, als du erwartet hast.
Manchmal lässt man es sogar ins Wasser fallen… Es sinkt nicht.
Dann kommt einem die Frage in den Sinn: Wie kann ein Stein schwimmen?
Bimsstein ist eines der auffälligsten Paradoxien der Geologie. Obwohl er Gestein ist, ist er leicht. Er hat vulkanischen Ursprung, entsteht aber oft nicht durch eine Explosion, sondern durch einen eingefrorenen Moment. Er ist hart, aber leicht erodierbar. Er ist ein Naturprodukt, findet aber Anwendung in Industrie, Kosmetik, Bauwesen und sogar in der Körperpflege.
Dieser Artikel wird Bimsstein nicht einfach als „ein leichtes vulkanisches Gestein“ abtun. Er wird Schritt für Schritt erklären, wie er entsteht, warum er so porös ist, unter welchen Eruptionsbedingungen er entsteht und warum er sich so anders verhält als andere vulkanische Gesteine auf der Erde.
Denn Bimsstein ist eigentlich der gefrorene Atem einer Explosion.
Was ist Bimsstein?

Bimsstein ist ein vulkanisches Gestein, das durch das Aufschäumen und Erstarren von kieselsäurereichem Magma mit hohem Gasgehalt unter plötzlichem Druckabfall entsteht.
Seine grundlegendsten Merkmale sind:
- Es ist extrem porös.
- Seine Dichte ist sehr gering
- Es kann eine glasartige Struktur aufweisen.
- Es ist oft hellfarbig (weiß, cremefarben, hellgrau).
Alle diese Eigenschaften sind direkte Folgen der vulkanischen Umgebung, in der es entsteht. Bimsstein entsteht nicht durch langsam abkühlende Lava, sondern durch heftige, gasreiche Eruptionen.
Bimsstein ist also nicht das Produkt eines Lavastroms, sondern die Momentaufnahme einer Explosion.
Wie entsteht Bimsstein? (Hier liegt die wahre Geschichte)

Um Bimsstein zu verstehen, muss man sich zunächst mit Magma beschäftigen.
Einige Magmen:
- Sie sind reich an Siliziumdioxid
- Haben eine hohe Viskosität
- Besitzen eine hohe Gashaltekapazität
Diese Magmaarten können die in ihnen enthaltenen Gase beim Aufstieg zur Oberfläche nicht so leicht freisetzen. Unter Druck komprimierte Gase bleiben im Magma gelöst.
Bis…
Das Magma erreicht die Oberfläche und der Druck sinkt schlagartig.
In diesem Moment werden die Gase schlagartig freigesetzt. Das Magma schäumt förmlich auf. Genau wie ein kohlensäurehaltiges Getränk überläuft, wenn es plötzlich geöffnet wird, verhält sich Magma nach demselben physikalischen Prinzip.
Diese Schaumstruktur kühlt innerhalb von Sekunden ab und gefriert. Die eingeschlossenen Gase können nicht entweichen. Sie bleiben im Inneren.
Ergebnis: 👉 Ein extrem leichtes, porenreiches Vulkangestein.
Bimsstein ist eigentlich:
- Gefrorene Gasblasen
- Ein Bauwerk, das im Moment der Explosion festgehalten wurde
- Magma im Zustand mit dem höchsten Luftanteil
Warum ist Bimsstein so leicht?

Die Leichtigkeit des Bimssteins rührt weniger von seiner mineralogischen Zusammensetzung als vielmehr von seiner physikalischen Struktur her.
Vom Volumen eines Bimssteinstücks:
- 60–90 % können leerer Raum sein
Diese Leerräume:
- Kann miteinander verbunden werden
- Oder sie können als geschlossene Mikroporen vorkommen.
Seine Dichte ist oft sogar geringer als die von Wasser. Deshalb schwimmen manche Bimssteinstücke im Wasser. Sie können jedoch mit der Zeit absinken, da sich die Poren mit Wasser füllen.
Diese Eigenschaft ist einer der Gründe, warum Bimsstein in der Geologie selten ist. Denn die meisten Gesteine:
- Bestehen aus Kristallen
- Haben niedrige Porenanteile
- Hohe Dichte
Bimsstein bildet jedoch eine Ausnahme. Er sieht aus wie ein Stein, verhält sich aber wie Schaum.
Der Unterschied zwischen Bimsstein und anderen vulkanischen Gesteinen

Bimsstein wird oft mit Obsidian, Tuffstein und Schlacke verwechselt. Es bestehen jedoch wichtige Unterschiede zwischen ihnen.
Bimsstein vs. Schlacke
- Schlacke ist dunkler gefärbt
- Seine Poren sind größer, aber seine Dichte ist größer.
- Schlacke entsteht im Allgemeinen aus basaltischem Magma.
Bimsstein hingegen:
- Ist hellfarbig
- Besitzt einen hohen Siliciumdioxidanteil
- Ist viel leichter
Bimsstein vs. Obsidian
- Obsidian ist wie Glas, nicht porös.
- Kühlt sehr schnell ab, enthält aber kein Gas
Bimsstein hingegen:
- Kann glasig sein, ist aber voller Gas
- Selbst wenn sie aus demselben Magmatyp stammen, entstehen sie unter unterschiedlichen Bedingungen.
Dieser Unterschied zeigt uns: Was vulkanische Gesteine unterscheidet, ist nicht nur das Magma, sondern vor allem die Ausbruchsbedingungen.
In welchen vulkanischen Umgebungen bildet sich Bimsstein?
Bimsstein wird am häufigsten mit Folgendem in Verbindung gebracht:
- Rhyolithisch
- Dazitisch
Magmaarten.
Diese Magmen:
- Enthalten viel Siliciumdioxid
- Sind nicht flüssig
- Besitzen eine hohe Gashaltekapazität
Deshalb kommt Bimsstein im Allgemeinen in folgenden Gebieten vor:
- Explosive Stratovulkane
- Große Ausbrüche, die Calderen bilden
- Plinianische und subplinianische Explosionen
Je ruhiger ein Vulkan ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bimsstein entsteht. Je explosiver ein Vulkan ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Bimssteinbildung.
Ist Bimsstein ein Gestein oder Glas?
Geologisch gesehen ist Bimsstein:
- Ein Gestein, das überwiegend aus vulkanischem Glas besteht
Das Kristallverhältnis ist gering, da die Abkühlung sehr schnell erfolgt. Dadurch bleibt keine Zeit für Kristallwachstum.
Daraus erhält man Bimsstein:
- Eine spröde Struktur
- Eine unregelmäßige Oberfläche
- Glasiger Glanz (bei einigen Exemplaren)
Man sollte aber bedenken: Auch wenn Bimsstein wie Glas aussieht, ist er ein Naturstein. Er ist kein Industrieprodukt.
Wo kommt Bimsstein vor?
Bimssteinvorkommen findet man im Allgemeinen:
- In alten Vulkanausbruchsgebieten
- Rund um Calderen
- Zusammen mit vulkanischer Asche und Tuffschichten
Weltweit:
- Italien
- Turkey
- Griechenland
- Island
- USA (insbesondere westliche Regionen)
haben Gebiete, die reich an Bimsstein sind.
Die Türkei, insbesondere Zentralanatolien, verfügt über bedeutende Bimssteinvorkommen im weltweiten Vergleich. Dies hat die industrielle Nutzung von Bimsstein weit verbreitet gemacht.
Physikalische Eigenschaften von Bimsstein

Was Bimsstein von allen anderen Gesteinen unterscheidet, ist weniger seine mineralogische Zusammensetzung als vielmehr seine physikalische Struktur. Die Leichtigkeit, die man sofort beim Anheben bemerkt, ist tatsächlich auf Millionen winziger Gaseinschlüsse zurückzuführen.
Bimsstein ist keine erstarrte Lava, sondern gefrorener Schaum.
Diese schaumige Struktur führt dazu, dass im Gestein sowohl offene als auch geschlossene Poren vorkommen. Einige dieser Poren sind miteinander verbunden, andere hingegen voneinander isoliert. Diese Beschaffenheit bestimmt direkt die Eigenschaften des Bimssteins:
- Dichte
- Wasseraufnahmekapazität
- Isoliereigenschaften
Physikalische Eigenschaften von Bimsstein – Tabelle
| Eigenschaft | Wert/Bereich | Erläuterung |
|---|---|---|
| Farbe, | Weiß, Creme, Hellgrau | Im Zusammenhang mit dem hohen Siliziumdioxidgehalt |
| Signaldichte | 0.25 – 0.9 g/cm³ | Manche Exemplare sind leichter als Wasser. |
| Porosität | 60% – 90% | Gefrorener Zustand von Gasblasen |
| Härte (Mohs) | 5. - 6 | Ergebnisse aus der glasartigen Struktur |
| Kristallisation | Sehr geringe | Aufgrund der schnellen Abkühlung |
| Textur Holzstruktur | Vesikulär (porös) | Charakteristisches Grundmerkmal |
| Fracture | Unregelmäßig / muschelförmig | Vulkanglas-Effekt |
| Wasseraufnahme | Hoch | Aufgrund offener Poren |
Diese Tabelle zeigt deutlich: Bimsstein lässt sich nicht mit klassischen Gesteinslogik erklären. Das Verhältnis von Dichte, Härte und Beständigkeit ist ungewöhnlich.
Chemische Eigenschaften von Bimsstein
Chemisch gesehen gehört Bimsstein zur Gruppe der sauren vulkanischen Gesteine. Dies zeigt, dass er reich an Siliziumdioxid (SiO₂) ist.
Typische Bimssteinzusammensetzung:
- Siliziumdioxid (SiO₂) → dominant
- Aluminiumoxid (Al₂O₃)
- Kalium- und Natriumoxide
- Niedrige Mengen an Eisen, Magnesium und Kalzium
Durchschnittliche chemische Zusammensetzung (ungefähr)
| Komponente | Prozentsatz (%) |
|---|---|
| SiO₂ | 65. - 75 |
| Al₂O₃ | 12. - 15 |
| Na₂O + K₂O | 6. - 8 |
| FeO / Fe₂O₃ | 1. - 3 |
| CaO | <2 |
| MgO | <1 |
Dieses hohe Siliziumdioxidverhältnis:
- Erhöht die Viskosität des Magmas
- Führt dazu, dass Gase eingeschlossen werden
- Macht die Explosion heftiger und explosiver.
Die geringe physikalische Leichtigkeit des Bimssteins ist also eine direkte Folge seiner chemischen Zusammensetzung.
Warum schwimmt Bimsstein? (Aus geologischer Sicht)
Dass Bimsstein im Wasser schwimmt, ist keine „kuriose Erscheinung“, sondern ein Phänomen, das sich vollständig durch die Gesetze der Physik erklären lässt.
- In geschlossenen Poren wird Luft eingeschlossen.
- Die durchschnittliche Dichte sinkt unterhalb des Wasserspiegels
- Der Stein bleibt durch Auftriebskraft an der Oberfläche.
Diese Situation ist jedoch nicht von Dauer. Im Laufe der Zeit:
- Offene Poren füllen sich mit Wasser
- Die Dichte nimmt zu
- Bimssteinbecken
Deshalb sieht man manchmal schwimmende Bimssteininseln in den Ozeanen. Nach großen Vulkanausbrüchen können sich kilometerlange Bimssteinschichten monatelang an der Meeresoberfläche treiben lassen.
Wo wird Bimsstein verwendet? (Anwendungsbereiche)

Der Grund für die weite Verbreitung von Bimsstein liegt nicht in einer einzelnen Eigenschaft, sondern in einer Kombination mehrerer Eigenschaften.
1. Bausektor
Bimsstein:
- Ist Licht
- Bietet Wärmeisolierung
- Bietet Schalldämmung
- Reduziert das Betongewicht
Deshalb wird es in Bereichen wie diesen bevorzugt:
- Leichtbeton
- Block- und Ziegelproduktion
- Wärmedämmplatten
Insbesondere in Erdbebengebieten bietet Bimsstein als Zuschlagstoff große Vorteile bei der Reduzierung der strukturellen Belastung.
2. Kosmetik und Körperpflege
Die Schleifwirkung von Bimsstein ist kontrolliert. Er ist hart, aber nicht scharf.
Deshalb ist es ideal für:
- Fersensteine
- Hautpeelingprodukte
- Natürliche Peelings
Im Vergleich zu synthetischen Schleifmitteln gilt es als natürlicher und umweltfreundlicher.

3. Landwirtschaft und Gartenbau
Bimsstein ist in der Landwirtschaft nicht direkt ein „Nährstoff“. Er verändert aber die physikalische Struktur des Bodens.
Erde mit Bimssteinzusatz:
- Belüftet besser
- Hält den Wasserhaushalt im Gleichgewicht
- Reduziert Wurzelfäule
Deshalb findet es in Bereichen wie diesen breite Anwendung:
- Topfpflanzen
- Gewächshäuser
- Bonsai-Kultur
4. Industrie und Filtration
Dank seiner porösen Struktur wird Bimsstein auch verwendet als:
- Filtermaterial
- Trägeroberfläche
- Trägermaterialien in chemischen Prozessen
Warum ist Bimsstein so weit verbreitet?
Weil Bimsstein:
- Ist natürlich
- Lässt sich leicht verarbeiten
- Benötigt keine Energie
- Hat geringe Umweltauswirkungen
Es handelt sich also nicht nur um ein geologisches Produkt, sondern es ist auch wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig.
Irrtum: Entsteht Bimsstein bei jedem Vulkanausbruch?
Nein.
Bimsstein:
- Entsteht nicht aus basaltischen Laven
- Ist bei Explosionen flüssiger Lava nicht zu beobachten.
- Steht nicht im Zusammenhang mit ruhigen, Lava fließenden Vulkanen.
Für Bimsstein ist Folgendes unerlässlich:
- Gasbeladen
- Hochsilizium
- Explosiver Ausbruch
Deshalb ist Bimsstein ein Produkt der extremsten Bedingungen des Vulkanismus.
Fazit: Bimsstein ist kein Gestein, er ist ein Denkmal.
Geologisch betrachtet ist Bimsstein kein Zeugnis eines Prozesses, sondern eines Augenblicks. Er ist der eingefrorene Zustand jener wenigen Sekunden, in denen Gas nicht entweichen konnte, Magma schäumte und der Druck plötzlich abfiel.
Deshalb ist es so:
- Ist Licht
- Ist porös
- Ist anders
Es sieht aus wie ein Stein, ist aber in Wirklichkeit der Atem einer Explosion.



























