Startseite Galerie Geologische Listen Die 10 weniger bekannten geologischen Formationen, die vollständig durch Wasser entstanden sind

Die 10 weniger bekannten geologischen Formationen, die vollständig durch Wasser entstanden sind

Die messerscharfen Kalksteinformationen von Tsingy de Bemaraha entstanden durch die Auflösung von Gestein durch Regenwasser über Millionen von Jahren.

Wir denken vielleicht leicht, dass Gesteine ​​hart und schwer zu verändern sind, weil sie uns beim Anfassen oder auf der Straße so erscheinen. Doch geologisch betrachtet sind sie das nie. Denn geologische Prozesse erstrecken sich über sehr lange Zeiträume, und Wasser ist einer der geduldigsten Gestalter der Zeit. Wasser fließt, gefriert, löst sich auf und formt so im Laufe der Zeit das Gestein.

Aus diesem Grund entstehen Wasserstrukturen nicht durch plötzliche Ereignisse, sondern durch viel längerfristige Prozesse. Regentropfen und versickerndes Grundwasser wirken kontinuierlich. Jedes Mal verändert sich nur wenig, doch nach Tausenden oder Hunderten von Jahren entsteht eine völlig andere Landschaft.


1. Tsingy de Bemaraha, Madagaskar

Die messerscharfen Kalksteinformationen von Tsingy de Bemaraha entstanden durch die Auflösung von Gestein durch Regenwasser über Millionen von Jahren.

Aus der Ferne betrachtet, wirkt Tsingy nicht wie ein Felsplateau, sondern wie ein zerklüftetes Meer aus Steinen. Scharfe, spitze, klingenartige Oberflächen. Zu unregelmäßig, um von Menschenhand geschaffen zu sein, aber auch nicht zufällig.

Am Fuße dieser Strukturen liegt Kalkstein. Regenwasser in tropischem Klima wird durch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre leicht sauer. Dieses Wasser sickert durch mikroskopisch kleine Risse im Kalkstein nach unten. Anfangs unsichtbar, weiten sich diese Risse mit der Zeit langsam aus. Das Gestein löst sich auf, verschwindet aber nicht vollständig. Schwache Stellen werden abgetragen, widerstandsfähige bleiben bestehen.

Über Hunderttausende von Jahren wiederholt sich dieser Prozess. Schließlich bleibt keine ebene Fläche mehr übrig. Nur die widerstandsfähigsten Felsrücken überdauern. Deshalb ist Tsingy fast unpassierbar. Hier hat das Wasser nicht nur erodiert, sondern auch selektiert.

Was übrig bleibt, ist kein Berg, sondern so etwas wie ein Skelett. Die letzte stehende Form einer Felsmasse.


2. Mulu Pinnacles, Borneo

Die zerbrechlichen Kalksteinspitzen des Gunung Mulu wurden durch ständigen Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und Karsterosion geformt.

Versteckt in den dichten Wäldern Borneos ähneln die Mulu Pinnacles nicht den klassischen Karsttürmen. Sie sind schlanker, zerbrechlicher und unregelmäßiger. Der Grund dafür ist, dass das Wasser hier nicht nur von oben, sondern aus allen Richtungen einwirkt.

In dieser Region regnet es fast ununterbrochen. Die eigentliche Wirkung geht jedoch von Nebel, Feuchtigkeit und Vegetation aus. Baumwurzeln dringen in Gesteinsspalten ein. Von Blättern tropfendes Wasser breitet sich als dünner Film auf den Gesteinsoberflächen aus. Aufsteigende Feuchtigkeit löst den Kalkstein von unten weiter auf.

Dadurch wird das Gestein nicht nur von einer Seite, sondern von allen Seiten erodiert. So entstehen scharfe, unebene und zerbrechliche Felsnadeln. In Mulu fließt das Wasser nicht wie ein Fluss. Es kriecht. Langsam, lautlos und von überall her.


3. Lagunen von Lençóis Maranhenses, Brasilien

Saisonale Süßwasserlagunen zwischen weißen Sanddünen, die durch Regenwasser entstehen, das sich über undurchlässigen Schichten sammelt.

Auf den ersten Blick wirkt dieser Ort wie eine Wüste. Weiße Sanddünen erzeugen ein Gefühl endloser Leere. Doch es ist keine Wüste. Denn unter dem Sand befindet sich Wasser.

Bei Lençóis Maranhenses liegt unter den Dünen eine undurchlässige Schicht. Während der Regenzeit sammelt sich auf dieser Schicht heftiger Regen. Zwischen den Dünen bilden sich Hunderte von temporären Lagunen. Diese Lagunen enthalten Süßwasser und bestehen mehrere Monate lang.

Dann hört der Regen auf.
Die Sonne geht auf.
Das Wasser verdunstet.
Die Lagunen verschwinden.

Die Geologie hier ist keine feste Form, sondern ein Kreislauf. Ein Prozess, der jedes Jahr beginnt und jedes Jahr endet. Sand bestimmt die Form, Wasser schenkt Leben.

Diese Landschaft ist nicht von Dauer. Aber sie kehrt jedes Jahr auf die gleiche Weise wieder.


4. Steinwald von Shilin, China

Kalksteinsäulen des Shilin-Steinwaldes, die nach der Auflösung des umliegenden Gesteins durch Regenwasser stehen blieben.

Shilin bedeutet wörtlich „Steinwald“. Hunderte von Felssäulen ragen aus dem Boden empor, angeordnet wie Bäume. Doch diese Säulen wuchsen nicht nach oben. Stattdessen verschwand ihre Umgebung.

Dieses Gebiet war einst von Kalkstein bedeckt. Regenwasser drang durch oberflächliche Risse ein und bildete unterirdisch Hohlräume. Doch nicht alle Gesteinsschichten lösten sich gleich schnell auf. Dichteres Gestein mit weniger Rissen blieb erhalten.

Im Laufe der Zeit senkte sich das umliegende Gestein ab. Nur die Säulen blieben zurück. In Shilin zerstört das Wasser nicht, sondern filtert die Elemente. Das Schwache verschwindet, das Starke bleibt.


5. Wellenfelsenbecken, Westaustralien

Natürliche Granitfelsenbecken, die durch langfristiges Eindringen von Wasser und Oberflächenverwitterung entstanden sind.

Granit wird üblicherweise als „hartes Gestein“ gelehrt. Doch auch Granit weist Schwachstellen auf: mikroskopische Brüche, Mineralgrenzen und Kristallübergänge.

Die natürlichen Felsbecken am Wave Rock in Westaustralien zeigen, wie diese Schwachstellen mit Wasser interagieren. Regenwasser füllt Spalten. Es erwärmt sich tagsüber und kühlt nachts ab. Salzkristalle dehnen sich aus. Das Gestein löst sich extrem langsam auf.

Mit der Zeit bilden sich runde Vertiefungen an der Oberfläche. In diesen Vertiefungen sammelt sich Wasser. Je länger das Wasser dort verbleibt, desto stärker wird die Auflösung. Schließlich entstehen natürliche Becken auf dem Granit.

Diese Strukturen entstehen nicht plötzlich. Sie bilden sich sehr langsam. Aber selbst Granit gibt irgendwann nach.


6. Eisriesenwelt Eishöhle, Österreich

In der Höhle Eisriesenwelt entstanden Eisformationen in einer Kalksteinhöhle, die vom Grundwasser geformt wurde.

Die Eisriesenwelt ist die größte Eishöhle der Welt. Doch das Besondere an ihr ist nicht das Eis. Die eigentliche Struktur ist ein Hohlraum, der durch die Auflösung von Kalkstein durch Wasser entstanden ist.

Zuerst formte Grundwasser die Höhle. Risse weiteten sich, Tunnel entstanden. Später drang Schmelzwasser aus den umliegenden Bergen in die Höhle ein. Die Luftzirkulation im Inneren ermöglichte das Gefrieren dieses Wassers.

Das Eis ist also zweitrangig. Wasser ist nach wie vor der primäre Gestalter. Ohne die Höhle gäbe es kein Eis. Hier hat das Wasser sowohl den Raum geschaffen als auch ihn gefüllt.


7. Dallol-Salzskulpturen, Äthiopien

Farbenfrohe Salz- und Mineralformationen, die durch die Verdunstung von salzhaltigem Grundwasser in der Region Dallol entstanden sind.

In Dallol sieht man keinen fließenden Fluss. Doch Wasser ist allgegenwärtig. Extrem salzhaltiges Grundwasser tritt an die Oberfläche. Es breitet sich aus. Unter der Sonne verdunstet es rasch. Salz und Mineralien bleiben zurück.

Diese Ablagerungen sind nicht stabil. Sie verändern sich ständig durch Wind, neuen Wasserzufluss und Temperaturschwankungen. Farben, Formen und Oberflächenstrukturen werden fortwährend neu gestaltet.

Dallol ist einer der seltenen geologischen Orte, an denen Wasser die Landschaft durch sein Verschwinden formt. Hier hinterlässt das Wasser Spuren, wenn es verschwindet.


8. Versteckte Erdfälle der Danakil

Teilweise eingestürzte Erdfälle, die durch die Auflösung von Grundwasser in der Danakil-Senke entstanden sind.

Erdfälle sind oft für plötzliche Einstürze bekannt. In Danakil bleiben manche Einstürze jedoch unvollständig. Grundwasser bildet Hohlräume. Die Decke wird dünner, stürzt aber nicht vollständig ein.

Es entstehen halboffene, tiefe und gefährliche Strukturen. Diese Formationen scheinen mitten in einem Prozess erstarrt zu sein. Weder vollständig eingestürzte Höhlen noch vollständig zusammengebrochene Erdfälle.

Sie sind nur vorübergehend. Eines Tages werden sie vollständig zusammenbrechen. Doch im Moment sind sie flüchtige Momentaufnahmen der Funktionsweise des Grundwassers.


9. Luray Caverns Flowstone, USA

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Wenn von Höhlen die Rede ist, denkt man meist an Stalaktiten und Stalagmiten. Sinterablagerungen sind anders. Das Wasser tropft nicht, sondern fließt als dünner Film an der Höhlenwand entlang.

Das Wasser lagert das darin enthaltene Kalzium an der Wand ab. Schicht für Schicht sammelt sich so etwas an. Mit der Zeit ähneln die Wände gefrorenen Steinwasserfällen.

Sinterablagerungen beweisen, dass Wasser Gestein formen kann, ohne zu tropfen. Es ist ein stiller, kontinuierlicher und geordneter Prozess.


10. Ischigualasto-Pilzfelsen, Argentinien

Pilzförmige Felsformationen, die durch fluviale Erosion weicherer Sedimente unterhalb härterer Gesteinsschichten entstanden sind.

In dieser Region liegt eine harte Schicht über weicheren Sedimenten. Regenwasser erodiert die darunter liegende weichere Schicht. Das darüber liegende härtere Gestein bleibt wie eine Kappe zurück.

Mit der Zeit dünnt die untere Säule aus. Der obere Felsen bleibt stehen. Pilzartige Gebilde entstehen.

Es handelt sich hierbei nicht um plötzlich entstandene Formationen. Sie sind das Ergebnis jahrhunderttausendelanger fluvialer Erosion. Sie wirken instabil, existieren aber in einem präzisen natürlichen Gleichgewicht.


Fazit

Diese Formationen haben eines gemeinsam:
Keiner davon ist dramatisch.

Aber sie alle sind hartnäckig.

Wasser scheint auf Felsen keine Spuren zu hinterlassen.
Doch mit genügend Zeit verändert es die Form vollständig.

Diese Strukturen zeigen, dass Wasser nicht nur erosiv, sondern auch selektiv, konstruktiv und manchmal einfach eine Kraft ist, die stille Spuren hinterlässt.

In der Geologie stammen die beständigsten Spuren oft von den unauffälligsten Prozessen.